Von Sternen und Wahrzeichen

Radom, Wasserkuppe, SternenhimmelDie vergangenen Wochen waren geprägt von trübem und kaltem Wetter. Ich bin gerne draußen unterwegs, keine Frage. Aber wenn es feuchtkalt ist, wie zuletzt, kann ich mich nur schwerlich motivieren.  Der Februar bedingt zudem einen relativ späten Sonnenauf- und einen frühen Sonnenuntergang, was sich fotografisch nicht gerade mit meinem Berufsalltag in Einklang bringen lässt.

Seit geraumer Zeit habe ich nun wieder vor, den Sternenhimmel zu fotografieren, gerade im Sternenpark Rhön soll das ja besonders gut funktionieren. Vergangenes Jahr habe ich bereits eine solche Aktion gestartet und musste dabei lernen, dass eine vernünftige Vorbereitung einfach alles ist. Hier gehts zum Beitag : Wolken, Nebel, Sterne und Regen

Tagelang habe ich die Vorhersagen für die Wolkenbedeckung über der Rhön verfolgt und auf die Mondphasen geachtet. Nun kündigt sich an , dass sich der Neumond mit einer sternenklaren Nacht decken wird und schon steht meine Ausrüstung fertig gepackt in der Ecke und wartet nur noch darauf benutzt zu werden.

Klare Nächte sind bekanntlich kalt – eine Tatsache die sich auch diesmal bewahrheitet. Um 23:30 Uhr stehe ich auf dem Parkplatz der Wasserkuppe. Das Thermometer meines Autos zeigt knapp -7 °C, was sich gefühlt gewaltig ändert, als ich in Richtung Gipfel laufe. Bekannt ist die Wasserkuppe ja für ihren Wind und dieser ist heute wahrlich kalt und beißend.

Meine Kamera habe ich noch auf dem Parkplatz vorbereitet. Das Wichtigste beim Fotografieren in frostigen Temperaturen und starkem Wind ist, das Bedienen der Kamera möglichst sein zu lassen. Daher habe ich den Fernauslöser schon eingestöpselt, das Weitwinkelobjektiv aufgesetzt und die Stativplatte angebracht. Die Kamera selbst habe ich ebenfalls voreingestellt – F2.8 | 20 sec | ISO3200 – eine Einstellung, die sich schon öfter bewährt hat.

Wenn es um Komposition geht ist es von Vorteil einen ansprechenden Bildvordergrund zu haben. Es bietet sich an landschaftliche Elemente wie Felsen oder markante Bäume zu nutzen, aber als Fotograf aus der Rhön kommt man nicht drum herum auch mal das Radom auf der Wasserkuppe als solchen zu nutzen.

Die Wasserkuppe hat eine bewegte Geschichte und wer wissen will was es mit dem Radom auf sich hat, warum es seinem eigentlichem Zweck nie gedient hat und warum es heute als Kulturdenkmal gilt, dem rate ich mal hier www.radom-wasserkuppe.de vorbei zu schauen.

Ich habe Glück, denn es hat sich eine vereiste Fläche auf der Kuppe des Radoms gebildet und ergibt eine wunderbare Textur. Das Sternenlicht reicht nicht aus, um die Kuppel zu beleuchten und auf den Bildern würde sie nur als Kontur vor dem Nachthimmel erscheinen. Darum nutze ich meine Stirnlampe, um die Kuppel und die Eisfläche auszuleuchten.

Das Radom hat zusätzlich noch eine Besonderheit. Es wird nachts von einer Seite durch eine rote Signalleuchte angestrahlt. Dadurch kommt die Kugelform zusätzlich zur Geltung. Welchen Zweck dieses Licht jedoch eigentlich hat ist für mich unklar.

Ein weiterer Aspekt in der Komposition ist natürlich der Sternenhimmel selbst. Von Sternen hatte ich bisher nicht viel Ahnung, aber das ein oder andere Sternenbild kann ich mittlerweile ausmachen. Gerade wenn es darum geht die Milchstraße zu finden ist es hilfreich zu wissen wie Kassiopeia aussieht. Denn entlang dieser Sternenkonstellation lässt sich der Verlauf der Milchstraße nachvollziehen. Die Jahreszeit ist die falsche um das markante Zentrum abzulichten, aber erahnen kann man unsere Galaxie bereits. Um genügend Sternenlicht einfangen zu können suche ich also Kassiopeia und positioniere mich so, dass das Sternbild hinter dem Radom zu sehen ist.

Radom, Wasserkuppe, Sternenhimmel

Der kalte Wind wird immer brutaler und trotz doppelter Handschuhe frieren mir zunehmend die Finger ein. Abhilfe schafft eine Runde kreislaufanregender Hampelmänner – mit Sicherheit lustig anzusehen, aber es hilft. Auf der Stelle springend überlege ich mir weitere Kompositionen und komme zu dem Schluss das rote Licht noch weiter als Effekt zu nutzen, denn es beleuchtet nicht nur das Radom.

Radom, Wasserkuppe, Sternenhimmel

Wenn die Kälte nicht wäre, könnte ich immer weiter fotografieren, denn das Potential ist regelrecht unerschöpflich. Mein schwächelnder Akku – er mag es nicht, wenn es kalt ist – und ein auftauchendes Auto, das mit Fernlicht das Radom und das umliegende Gelände taghell beleuchtet, überzeugen mich davon langsam zusammenzupacken und mich auf den Heimweg zu begeben.

Auf der Rückfahrt zeigt mir das Thermometer meines Autos satte -9,5 °C an. Am Radom war es sicherlich nicht weniger kalt. Ich drehe mir die Sitzheizung lieber noch eine Stufe höher.

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