Zurück zu den Wurzeln – Die analoge Fotografie

Wenn du meine About-Seite gelesen hast, dann weißt du, dass ich mit analoger Fotografie begonnen habe, sie mich aber nach geraumer Zeit mangels Motivation und finanzieller Mittel vom Fotografieren abgedrängt hat. Doch vorallem lag es daran, dass mir das unmittelbare Feedback fehlte und ich zu faul war, mir die Einstellungen meiner Kamera für jedes Bild aufzuschreiben. Deswegen war ich nicht in der Lage aus meinen Fehlern zu lernen, war zunehmend frustiert mit den Ergebnissen, die ich erst nach wochenlangem Warten zurück bekam.

Doch meine Lernkurve machte einen großen Sprung nach vorne, als ich meine erste digitale Kamera kaufte.

Tatsächlich habe ich mich lange gegen diesen Schritt gesträubt, da ich trotz meiner Frustration einen verdammt puristischen Gedanken verfolgt habe. Nämlich, dass die analoge Fotografie die einzig “wahre” Fotografie sei.

Mit den digitalen Bildern und dem sofortigen Feeback über die Qualität der Wahl meiner Einstellungen, verstand ich zunehmend wie sich Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit des Sensors zueinander verhalten.

Doch wie komme ich jetzt wieder zurück zur analogen Fotografie, wenn doch die digitale so viele Vorteile birgt?

Die digitale Fotografie hat eben auch ihre Nachteile. Nämlich, dass man dazu neigt, einfach nur drauf zu halten. Nach dem Motto – “Eines der Bilder wird schon in Orndung sein”. Oder gar – “Egal, … ich biege das mit Photoshop wieder hin”.  Die Festplatten werden immer größer und die meisten Bilder geraten in Vergessenheit.

Der Unterschied ist grob gesagt der Folgende:

“Fotografierst du analog – ensteht die Kunst, bevor du auf den Auslöser drückst. Fotografierst du digital – ensteht sie danach.”

Zwischen diesen beiden Formen gibt es jedoch auch eine Gemeinsamkeit – und zwar der erwähnte Zusammenhang von Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit. Und genau hier schließt sich der Kreis, denn wenn man den Zusammenhang verstanden hat, kann man mit jeder Kamera gute Bilder machen.

Und hier kommt es einem zugute, wenn jemand seinen Dachboden aufräumt und eine alte Rolleiflex findet.

Dieses gute Stück – ein Vorkriegsmodell von ca. 1937- weckte meine Begeisterung. Und so entfernte ich den Staub der Jahrzehnte. Nachdem dieses Modell nicht mit dem von mir gewohnten 35mm Film benutzt werden konnte, hielt ich sie zuerst für nichts mehr als eine Zierde, die sich gut im Regal macht. Schnell fand ich aber heraus, dass man – ein Lob auf das Internet – noch Rollfilme im 120er Format erwerben kann. Der Neugierde folgend lud ich nichtsahnend die Kamera. Mit analogem Belichtungsmesser in der Hand machte ich die ersten Bilder – und war absolut begeistert von der Bildqualität und dem Charme, als ich die Ergebnisse zu sehen bekam.

Es folgen andere Kameras, eine Yashica Electro 35, die meiner Urgroßtante gehörte. Leider ohne Spiegel was die Bildkomposition erschwert. Aber eines der ersten Kameramodelle mit einem elektronischen Belichtungssensor – zu seiner Zeit ein gewaltiger Fortschritt in der Kameratechnik.

Schnell sprach sich in meinem Umfeld herum, dass ich mich für alte Kameras interessiere. Und so kam es, dass ich ein Modell nach dem anderen geschenkt bekam, die ich mit kindischer Freude reinigte und fast jeder die Ehre eines Testfilms gönnte.

Ein absoluter Schatz ist hierbei eine Bilora Box Kamera – quasi Fotografie auf die rudimentärste Art und Weise. Mit dennoch erstaunlich guten Ergebnissen – dafür, dass es kaum Möglichkeiten gibt, Einstellungen zu tätigen.

Ein absoluter Traum ist meine Rollei SL35 E. Mit diesem Modell hat Rollei seiner Zeit (1978-1982) versucht am Puls der Zeit zu bleiben, konnte aber nicht mit dem günstigeren und leichteren Modell aus Asien mithalten. Was diese Kamera auszeichnet ist vorallem die lichtstarke Optik, die eine wunderschöne Hintergrundunschärfe ermöglicht. Die Lichtstärke von F1.4 hat mich so sehr begeistert, dass ich mir – man glaubt es kaum, dass es sowas gibt – einen Adapterring für meine Canon 6D geholt habe. Die wohl am besten investierten 15 € ever.

Zu guter letzt noch mein absoluter Schatz. Einst Inventar des ersten zoologischen Insituts der Universität Göttingen – eine Rolleicord Vb aus den 60er Jahren. Mit diesem Modell Bilder zu machen, die Welt über die Mattscheibe zu sehen, das quadratische Format, ja, die Nostalgie, geben all dem einen Charme, den nur die analoge Fotografie ermöglichen kann.

So wie ich mit Hilfe der digitalen Fotografie gelernt habe mit den analogen Kameras umzugehen, habe ich auch etwas für meine digitale Fotografie lernen können. Und zwar, das Weniger oft Mehr ist – dass ein einziges bedachtes und durchdachtes Bild mehr wert ist, als hunderte in Hektik aufgenomme Bilder, die ungesehen auf einer Festplatte ihr digitales Dasein fristen.