Sternenpark Rhön – Wenn alles passt

Milchstraße Heidelstein Rhön

Es gibt diese Momente, in denen scheinbar alles zusammenkommt. Wenn die Bedingungen ideal sind. Die Vorbereitung steht. Alles geplant ist und das letzte bisschen Unberechenbarkeit auf ein Minimum reduziert ist.

Einen solchen Moment hatte ich am 15. Februar, einem Freitag an dem ich die Milchstraße im Sternenpark Rhön fotografierte.

Die Erfahrung zeigt, dass ein guter Fotograf das perfekte Bild nicht dem Zufall überlassen sollte. Eine ausführliche Planung ist hier der Schlüssel. Es folgen acht Aspekte, die bei der Vorbereitung helfen.

Schon fast routiniert überprüfe ich täglich die Wetterbedingungen. Ein kurzer Blick auf die Modellkarten von kachelmannwetter.com, und ich habe einen Indikator dafür, was fotografisch möglich oder unmöglich ist.

Der erste Aspekt – Sonnenauf- und -untergang

Zu wissen, wann die Sonne auf- und untergeht, ist für einen Landschaftsfotografen essenziell. Die Zeiten ändern sich jeden Tag. Mit der Uhrzeit ändert sich aber auch der Winkel, in dem die Sonne auf- und untergeht.

Am 15. Februar war der Sonnenaufgang für 07:34 Uhr angekündigt. Die blauen Stunde bzw. die bürgerlichen Dämmerung begann entsprechend um 07:00 Uhr.

Der zweite Aspekt – die Bewölkung

Völlig frei von definierten Zielen oder Bildvorstellungen ist der erste Blick stets der auf die Bewölkungsvorhersage. Die Wolken spielen eine ganz entscheidende Rolle, wenn es an das Fotografieren draußen geht. Denn sie bestimmen darüber, wie das Licht sein wird.

Bei der Betrachtung der Wolken schaue ich immer zuerst auf den Zeitraum des Sonnenauf- und untergangs.

Screenshot kachelmannwetter.com
kachelmannwetter.com

Für den 15. Februar war der Morgen völlig wolkenlos angekündigt. Das ist in erster Linie mal kein so gutes Zeichen, wenn man beispielsweise den Sonnenaufgang fotografieren will. Ein Sonnenaufgang bei wolkenlosem Himmel bietet keine Tiefe und keine Textur.

Entscheidung für die Nacht statt des Sonnenaufgangs

Doch ein vollkommen wolkenloser Himmel bedeutet auch etwas anderes. Nämlich, dass vor Sonnenaufgang der Sternenhimmel sehr gut zu sehen ist. Daher überprüfte ich die Bewölkung bei Nacht und auch hier war die Vorhersage eindeutig – der Himmel sollte frei sein.

Der dritte Aspekt – der Mond

Die Sterne sind immer am besten zu sehen, wenn sonst kein Licht vorhanden ist. So wie die Sonne tagsüber verhindert, dass man Sterne sehen kann, behindert dies nachts unter Umständen der Mond. Daher stellt sich immer als erstes die Frage, ist der Mond zu sehen und wie voll ist er?

Für diese Fragen eignen sich verschiedene Hilfsmittel. Zum Einen gibt es die Seite The Photographers Ephemeris, mit deren Hilfe sich Winkel, Verlauf, Höhewinkel der Sonne und des Mondes, ermitteln lassen. Zum Anderen steht auch die Android App Sun Locater Lite, die in der kostenlosen Version tagesaktuell informiert, zur Verfügung.

Sun Locator Lite
Sun Locater Lite

Für den 15. Februar war ein zunehmender Mond vorhergesagt, der um 4:00 Uhr morgens untergehen sollte.

Der vierte Aspekt – die Milchstraße

Ein einfacher Nachthimmel ist eine schöne Sache, doch wer wirklich einen besonderen Sternenhimmel sehen will, kommt um die Milchstraße, bzw. ihr Zentrum, nicht herum. Eine Recherche im Internet, macht schnell deutlich, dass die beste Zeit, das Zentrum der Milchstraße zu sehen, der Sommer ist. In der Zeit von Juni bis September steht das Zentrum nachts zeitweise über dem Horizont.

Milchstraße Heidelstein Rhön

Hilfsmittel

Wer genau wissen will, wo sich das Zentrum der Milchstraße zu welcher Zeit befindet, geht am besten den Weg über eine Smartphone App. Das non plus Ultra hierfür soll die App PhotoPills sein. Sie wurde mir schon mehrfach empfohlen. Da sie nicht kostenfrei erhältlich ist, verwende ich hier eine Alternative – die App SkyView Free.

SkyView Free
SkyView Free

Für den 15. Februar kündigte sie an, dass das Zentrum der Milchstraße um 05:20 Uhr über dem Horizont erscheinen sollte.

Der fünfte Aspekt – Timing

Legt man die Zeiten von Mond, Sonne und Milchstraße übereinander, ergibt dies ein theoretisches Zeitfenster. Dieses Zeitfester ist in der Praxis jedoch kleiner. Das Zentrum der Milchstraße steht zwar über dem Horizont, ist aber durch den sehr niedrigen Winkel noch nicht wirklich gut erkennbar. Zudem ist der Beginn der Blauen Stunde bereits zu hell, um noch genug Licht für den Sternenhimmel zu haben.

Ein weiterer Aspekt des Timings ist natürlich die Zeit, die man braucht, um zu der Location zu gelangen, zu der man will. Zu wissen, wie lange der Weg dauert, ist essenziell. Gerade wenn das Zeitfenster knapp wird.

Für den 15. Februar schrumpfte der ideale Zeitraum auf eine knappe halbe bis dreiviertel Stunde zusammen.

Der sechste Aspekt – Lichtverschmutzung – Vorteile des Sternenpark Rhön

Vor einigen Jahren wurde die Rhön zum Sternenpark erklärt (mehr Informationen findest du hier). Und das mit gutem Grunde, denn hier ist es nachts teilweise besonders dunkel. Viele der kleineren Ortschaften schalten nachts ihre Straßenbeleuchtungen aus. Zudem setzen immer mehr Kommunen auf effizientere Beleuchtung, die nicht unnötig Licht in den Himmel abstrahlt.

Ich wählte den Heidelstein im Sternenpark Rhön als Zielort. Der niedrige Winkel der Milchstraße musste in die Überlegungen nach dem Ort einfließen. Die Sicht zum Horizont muss möglichst frei sein. Und genau das sollte im „Land der offenen Fernen“ kein Problem darstellen.

Meine Überlegung auf die Wasserkuppe zu gehen, hatte ich schnell wieder verworfen. Denn von der Wasserkuppe aus wäre der Sendemast des Heidelstein im Bild gewesen.

„Wenn du etwas nicht in deinem Bild haben willst, hast du es am besten im Rücken“.

Der siebte Aspekt – Ausrüstung

Das beste Wetter und die besten Bedingungen helfen nichts, wenn du nicht das richtige Equipment hast. Essenziell sind die folgenden Dinge:

Weitere Sachen, die praktisch aber nicht zwingend notwendig sind:

  • Eine Begleitung (wenn man nicht selbst im Bild sein will, aber trotzdem jemand im Bild sein soll)

Hinweis: Es handelt sich hier um sogenannte Affiliate Links. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

Der achte Aspekt – Einstellungen und Fokus

Die Kameraeinstellungen sind leicht zu merken und in der Regel mache ich sie schon, bevor ich das Haus verlasse:

  • Offenblende [F2.8]
  • ISO [3200]
  • Belichtungszeit [20-30sec]

Wichtig ist noch zu wissen, wie man am besten fokussiert. Da  ja mit Offenblende fotografiert wird, ist der Schärfebereich relativ schmal. Man kann sich also nicht darauf verlassen, dass einfach alles scharf sein wird. Sondern muss wissen, was man tut.

Eine Möglichkeit ist, am Fokus des Objektivs die Markierung für Unendlich auszuwählen. Doch gibt es auch Objektive, bei denen diese Markierung nicht eindeutig ist, bzw. nicht direkt auf Anschlag des Fokusrings liegt. Bei solchen Objektiven empfiehlt es sich mit Hilfe des Kameradisplays zu fokussieren. Im Live View Modus zoomst du maximal auf den hellsten Stern, den du sehen kannst. Dann fokussierst du so, dass der Stern so klein wie möglich erscheint.

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