Sportfotografie – Bouldern und Klettern

Alex Rohr Transcription Charmey 9a

Ein für mich neues fotografisches Feld ist die Sportfotografie. Hier hat es mir besonders das Bouldern und Klettern angetan. Zwei Sportarten, die von Abenteuer und Grenzgängen geprägt sind.

Als Fotograf ist es mein Ziel mich weiterzuentwickeln – neue Dinge und Schaffensbereiche auszuprobieren, die mich herausfordern und Potenzial zum Scheitern haben, denn: Scheitern heißt lernen, lernen heißt besser werden.

Angefangen hat es mit der Sportfotografie an der Steinwand in der Rhön, mit einer kleinen Fotosession unter Freunden.

Es folgten Shootings beim Trailrunning und Yoga. Doch gerade der Klettersport hatte einen unglaublichen Reiz für mich als Fotografen.

Im Frühjahr 2020 lernte ich Alex Rohr kennen. Er ist professioneller Sportkletterer aus Bern in der Schweiz – mit Bedarf an hochwertigen Bildern für seine Sponsoren und die Vermarktung seiner Kletterleistungen. Als Profi-Kletterer hat Alex bereits eine Vielzahl von Routen in der Schwierigkeit 9a (UIAA 11) und härter klettern können. Erfolge, die sich sehen lassen.

Alex Rohr Portrait Sportkletterprofi

Wir begannen unsere Zusammenarbeit damit, dass wir gemeinsam abstimmten, was wir von den Bildern erwarten würden. Er wünschte sich einen Fotografen, der seinen Sport versteht und ihn in Szene setzen zu weiß. Ich klettere und bouldere selbst seit vielen Jahren und konnte ihm daher genau das bieten.

Als Fotograf hatte ich mit Alex einen Athleten gefunden, der sich, ganz nach den Prinzipien der agilen Fotografie, unsere gemeinsame Arbeit kritisch beäugt und hinterfragt – mit dem Ziel das Beste für uns beide herauszuholen.

Alex Rohr Transcription Charmey 9a

Ich begann Alex bei seinen Klettertouren zu begleiten – mit Statikseil, Steigklemme, Trittleiter, halbautomatischem Sicherungsgerät und einer selbstgebauten Sitzgelegenheit, damit es sich in der Höhe angenehm aushalten lässt.

Sportfotografie Klettern am Seil

Sportfotografie Bouldern – Klettern in Absprunghöhe

Bevor ich mich professionell ans Seil begeben habe, nutzte ich noch die Möglichkeit, den Bouldersport zu dokumentieren. Bouldern ist Klettern in Absprunghöhe, gesichert durch mobile Matten – sogenannten Crashpads. Hierbei konnte ich mich um die Felsen herum bewegen und frei meine Perspektive wählen.

Ich verbrachte einige Tage im Tessin, dem italienischsprachigen Teil der Schweiz und hatte reichlich Gelegenheit Bilder zu machen.

Simon Lotz La Paese Bouldern Chironico
Rose Tessin Bouldern

Das faszinierende am Bouldersport ist für mich die Vielfältigkeit. An jedem Felsen und jeder Route muss ich mich neuen Bedingungen stellen. So sind einige meiner Bilder auch nachts entstanden, da die Bedingungen zum Klettern nach Sonnenuntergang am besten waren.

Sportfotografie - Bouldern und Klettern Christoph Rauch
Samuel Story of two worlds Cresciano Bouldern

Sportfotografie Klettern – Fotografieren am Seil

Beim Sportklettern sieht die Welt ganz anders aus als beim Bouldern. Die Wände sind höher, das Gelände steiler, die Technik anspruchsvoller.

Ist der Ankerpunkt gesetzt, von dem aus man sich am Seil in die Wand hinab lässt oder aufsteigt, schwindet der perspektivische Spielraum. Wenn man frei am Seil hängt, kann man sich nicht einfach anders positionieren. Daher ist die richtige Wahl des Fixpunktes im überhängenden Gelände sehr wichtig.

Alex Rohr Transcription Charmey 9a

Auch wenn die perspektivischen Möglichkeiten am Fixseil eingeschränkt sind, kann man dennoch etwas variieren. So empfiehlt sich beispielsweise vor dem Auf- oder Abstieg am Seil darauf zu achten, dass das lose Seilende an einer günstigen Position fixiert ist. Das kann beispielsweise ein Baum, Stein oder Bohrhaken, links oder rechts von der eigentlichen Route sein. Dadurch kann man sich in diese Richtung ziehen und seine Position fixieren. Vor Allem hilft es dabei, zu verhindern, das man sich unkontrolliert am Seil dreht.

Ist die Wand jedoch angelehnt, hat man auch als Fotograf deutlich mehr Möglichkeit sich am Fels zu bewegen. Die Möglichkeiten sind größer – doch überhängende Wände sind epischer.

Alex Rohr Transcription Charmey 9a Kneebar

Alex Rohr hat sich im Sommer 2020 die erste Wiederholung der Route “Transcription” im schweizer Klettergebiet Charmey geholt. Erstbegangen wurde die mit 9a (UIAA 11) bewertete Route, im Jahr 2014 von dem tschechischen Kletterer Adam Ondra. Die Bilder von Alex Rohr in diesem Blogbeitrag stammen alle aus dieser Route.

Materialmanagement und Schnelligkeit

Zum eigentlichen Fotografieren kommt hinzu, dass man das ganze Material für den Aufstieg am Seil organisieren muss. Neben der richtigen Handhabung sollte das Material griffbereit sein. Schnell zwischen Auf- und Abstieg wechseln zu können, kann darüber entscheiden, ob man am Ende den Shot macht oder nicht.

Neben Schnelligkeit im Umgang mit dem Material ist absolut erforderlich, dass man vor dem Kletterer an der Wand ist. Hierbei ist die Absprache mit dem Athleten und die Einschätzung über die eigene Schnelligkeit essenziell. Auch wenn man Hilfsmittel für den Aufstieg am Seil nutzt, ist er trotzdem aus eigener Körperkraft zu bewältigen. Lässt man sich jedoch von oben in die Wand hinab, ist man deutlich schneller in Position.

Was mache ich mit der Kamera?

Das teuerste, was man mit in die Höhe nimmt, ist die Kameraausrüstung. Fallenlassen sollte man sie nicht – nicht nur aus Kostengründen. Sie sollte ebenfalls gesichert sein, aber auch so das man sie noch gut verwenden kann. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten dafür: elastische Materialschlingen, Bandschlingen mit Karabiner, oder spezielle Kameragurte.

Material Ausrüstung Sportfotografie Klettern

Licht und Timing

Aus fotografischer Sicht ist die richtige Zeit für das Fotografieren stark von den Lichtverhältnissen abhängig. Für den Kletterer spielt dies allerdings weniger eine Rolle. Hier ist das Mikroklima an der Felswand, Luftfeuchtigkeit, Wind und Temperatur ausschlaggebender.

Als Fotograf sind mir die frühen Morgen- und die späten Abendstunden am liebsten, doch das muss bei der Sportfotografie zweitranging sein.

Alex Rohr Mono Crack

Sportfotografie Klettern als Shooting-Tag oder einfach dabei?

Um fotografische und sportliche Aspekte zusammenzubringen, ist es häufig sinnvoll einen Shooting-Tag zu organisieren – der Athlet posed dabei und klettert maximal Teilabschnitte seine Route. Für den Sportler ist dieser Tag aber nur Mittel zum Zweck. Weder klettert er wirklich, noch trainiert er an diesem Tag.

Alex_Rohr Chalkbag DMM Löwe

Ein weiterer Ansatz ist es, den Athleten bei seiner Arbeit zu begleiten und nicht zu versuchen Bewegungen zu imitieren oder zu stellen, sondern authentische Kletterei abzulichten. Der Athlet kann sich dabei voll und ganz auf seinen Prozess konzentrieren und ist nicht davon abhängig, was ich als Fotograf von ihm erwarte.

Zwar bedeutet letzter Ansatz für mich als Fotografen mehr Aufwand, doch auch einen erheblichen Mehrwert für den Athleten. So kann er meine Bilder zur Bewegungsanalyse nutzen und wir gemeinsam die Perspektive optimieren. Alles mit dem Ziel die Essenz der Kletterei einzufangen.

Spielraum zur Verbesserung

Die physische Leistungsfähigkeit eines Sportlers ist natürlich nicht immer auf dem Maximum. Sowohl Bouldern als auch Klettern ist vom Scheitern am persönlichen Limit geprägt. Das bedeutet, dass ich als Fotograf häufiger die Möglichkeit habe ein und dieselbe Bewegung oder Einstellung ausprobieren zu können – bis der Athlet diese Stelle oder Bewegung meistern kann.

Alex_Rohr blutige Finger

Ein gegenteiliges Beispiel wäre es eine Hochzeit zu fotografieren. Hier hat man als Fotograf nur eine Gelegenheit und alles muss sitzen. Kein Raum für Fehler. 

Einstellungen der Kamera

Für Sportfotografie wähle ich in der Regel die Zeitautomatik meiner Kamera. Dazu verwende ich meist die Offenblende. Dadurch kommt möglichst viel Lichteinfall zustande und ich justiere ggf. die Lichtempfindlichkeit (ISO) nach. Das wichtigste bei Sportfotos ist es keine Bewegungsunschärfe zu bekommen. Ausser man möchte sie gezielt als Stilelement nutzen. Ein Kletterer bewegt sich häufig sehr kontrolliert, aber in bestimmten Situationen auch explosiv und schnell. Beispielsweise ist auch ein Herauspendeln aus der Wand möglich.

Die Belichtungszeit sollte daher 1/500s oder schneller sein, um auf der sicheren Seite zu sein. Außerdem hilft eine schnelle Belichtung auch, wenn man sich doch ungewollt am Seil drehen sollte.

Kameraeinstellungen Sportfotografie Klettern Bouldern

Resumé

Die Sportfotografie Klettern und Bouldern macht zwar Arbeit und ist zeitweise sogar körperlich richtig anstrengend, aber es gibt auch einfach nichts besseres. Mit coolen Leuten in wunderschönen Ecken dieser Welt unterwegs zu sein, dabei Abenteuer zu erleben und sich täglich neuen Herausforderungen stellen – was will man mehr?

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